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“Wilkommen Zuhause, Einwohner drei eins eins sieben vier..” die mechanische Stimme stockte, “acht.”

Es hatte wohl irgendwann die Möglichkeit gegeben eine individuelle Begrüßungsnachricht einzustellen, allerdings hatte die Elektronik längst vor der gigantischen Fluktuation an wechselnden Bewohnern kapituliert. Die Nummer hingegen blieb immer gleich. Der Wohnblock wirkte wie ein Moloch von einem Bienenstock, gegossen aus schwarzglänzendem Teer. Tausende Bienen schwärmten in jedem Augenblick hinaus oder hinein zurück in ihre engen, dunklen Waben.

Vyns eigene Wabe ging mit einem leisen Zischen der Schotthydraulik auf. Die Klimatisierung des Raumes und die automatische Beleuchtung waren, wie auch das Begrüßungskommunikat, bereits vor langer Zeit den Erschöpfungstod gestorben.
Ihr war die Dunkelheit gleich. Sie navigierte fließend durch den Raum, der bisweilen von den Scheinwerfern vorbeiziehender Speeder für Sekundenbruchteile erleuchtet wurde um wieder in das monotone Schwarz zurückzufallen. Der sperrige Cellokasten auf ihrem Rücken knarzte manchmal leise, während sie gestapelten Kisten verpackter Waren auswich, für die ihre kleine Wohnung als behelfsmäßiges Zwischenlager diente. Sie stieg mit einem großen Schritt über Seis Matratze hinweg, dann über ihre eigene und kam schließlich an ihrem Schreibtisch zum stehen. Mit großer Vorsicht und Sorgfalt setzte sie den Cellokasten gegen das Möbelstück ab. Ein identischer Kasten stand bereits dort, wenn auch in anderer Farbe. Weiß, nicht schwarz, das Instrument darin zu deutlich Gröberem bestimmt.

Sie setzte sich an den Tisch und mit ihr setzte sich der Geruch nach Rauch und Alkohol, der in ihrem langen Mantel hing – ein Mitbringsel aus der Bar, in der sie heute aufgespielt hatte. Sie lehnte sich müde zurück (sie würde versuchen weniger müde zu wirken, wenn Sei sie sah), hing eine Weile einfach nur stumm im Raum, wie ein weiteres Möbelstück und fühlte sich nicht deutlich bedeutender als das. Ohne das Gesicht von der Decke abzuwenden, einen Arm hinter dem Kopf verschränkt drückte sie mit der freien Hand schließlich den AN-Knopf der Konsole auf dem Schreibtisch. Das bläuliche Leuchten des Geräts wurde zur einzigen konstanten Lichtquelle im Raum. Sie wartete widerwillig bis das leise Summen der Datenaktualisierung verklang, um noch mehr Absagen aus dem Meer an Antworten für ihre Investitionspläne zu fischen. Sie las sie alle ohne hinzusehen. Alle bis auf die Letzte, die sie tatsächlich dazu brachte den Kopf zum Bildschirm zu wenden , auch wenn es eine sinnentleerte Geste war. Sie las die Nachricht noch einmal, runzelte leicht die Stirn. Leitete sie weiter, schaltete die Konsole aus.

Dann schrieb sie einen kleinen, denkbar schlichten Zettel: “Saft ist alle.”, und legte ein paar Credits dazu, die sie aus ihren weiten Manteltaschen fischte. Es wäre an der Zeit gewesen, die winzige betonierte Nasszelle aufzusuchen, die sich an ihr kleines Reich anschloss. Allerdings war es viel naheliegender und verlockender für sie, sich schlicht auf ihre Matratze fallen zu lassen.
Vyns Mantel war als Decke wunderbar geeignet.

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